Energieberater-Blog

Inbetriebnahme der zweiten Super E20-Zapfsäule in Deutschland

Geschrieben von ROTH Energie | 26.03.2026, 11:03:51

 

Mit der Inbetriebnahme der zweiten Super E20-Zapfsäule in Deutschland wird in Gießen der praktische Einsatz eines Ottokraftstoffs mit höherem Bioethanolanteil weiter erprobt. Das Pilotprojekt soll Erkenntnisse darüber liefern, wie E20 unter Alltagsbedingungen eingesetzt und über bestehende Tankstelleninfrastruktur bereitgestellt werden kann.

E20 ist ein Ottokraftstoff mit einem Bioethanolanteil von bis zu 20 Prozent. Durch den Einsatz von Bioethanol kann sich gegenüber rein fossilen Kraftstoffbestandteilen ein Potenzial zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen ergeben. Wie hoch diese Einsparung tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von den verwendeten Rohstoffen, deren Herkunft, der Herstellung des Bioethanols sowie der zugrunde gelegten Lebenszyklusbetrachtung ab.

 

Praxistest mit Fahrzeugflotte

 Im Rahmen eines Pilotprojekts mit der Autohaus Michel Gruppe wird der Einsatz von E20 im täglichen Fahrbetrieb erprobt. Mehr als 50 Fahrzeuge kommen dabei zum Einsatz. Ziel ist es, praktische Erfahrungen unter anderem zur Nutzung und zur technischen Verträglichkeit des Kraftstoffs zu sammeln.

Für die Verwendung von E20 ist die jeweilige Herstellerfreigabe des Fahrzeugs maßgeblich. Für verschiedene Fahrzeugmodelle und Baujahre liegen bereits entsprechende Freigaben vor. Vor der Nutzung sollte daher geprüft werden, ob das konkrete Fahrzeug vom Hersteller für E20 freigegeben ist.

 

Potenzial zur Emissionsminderung

Untersuchungen befassen sich auch mit dem möglichen Beitrag eines breiteren E20-Einsatzes zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im deutschen Straßenverkehr. In einzelnen Szenarien werden Einsparpotenziale von bis zu 4,87 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr ausgewiesen. Die tatsächlich erreichbare Einsparung ist jedoch von den jeweiligen Annahmen des betrachteten Szenarios abhängig, beispielsweise hinsichtlich Fahrzeugbestand, Marktdurchdringung, Kraftstoffmengen und Herkunft des eingesetzten Bioethanols.

Ein möglicher Vorteil des Ansatzes besteht darin, dass E20 grundsätzlich über Teile der vorhandenen Tankstelleninfrastruktur angeboten und in entsprechend freigegebenen Bestandsfahrzeugen eingesetzt werden kann. Ob und in welchem Umfang Anpassungen erforderlich sind, hängt von den jeweiligen technischen Voraussetzungen ab.

Perspektiven für den Kraftstoffmarkt

Auch die mögliche zukünftige Rolle von E20 im Kraftstoffmarkt wird diskutiert. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Ottokraftstoffqualitäten künftig angeboten werden und welche Rolle Kraftstoffe mit höheren Anteilen erneuerbarer Komponenten bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen spielen können.

Voraussetzung für eine breitere Nutzung von E20 sind neben der Verfügbarkeit des Kraftstoffs insbesondere entsprechende Fahrzeugfreigaben sowie die regulatorischen und technischen Rahmenbedingungen.

Einschätzungen aus Wissenschaft und Praxis

Im Rahmen der Projektvorstellung diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis die technischen Eigenschaften, die Fahrzeugverträglichkeit und mögliche Einsatzfelder von E20. Dabei wurde der Kraftstoff von einzelnen Experten unter anderem als möglicher Baustein für die Weiterentwicklung von Ottokraftstoffen sowie im Zusammenhang mit zukünftigen erneuerbaren Kraftstoffkonzepten eingeordnet.

Das Pilotprojekt soll weitere praktische Erkenntnisse liefern, um die Einsatzmöglichkeiten und das Potenzial von E20 unter realen Bedingungen bewerten zu können.